Plantagen

Der Anbau von Kurzumtriebsplantagen (KUP) bedeutet, landwirtschaftliche Flächen mit Bäumen zu bewirtschaften. KUP ermöglichen die Bereitstellung von Holz bzw. Dendromasse innerhalb kurzer Zeit, indem schnellwachsende Baumarten verwendet werden.

Die mit Abstand wichtigsten Baumarten für KUP in den gemäßigten Zonen (mediterrane, warm- und kaltgemäßigte Zonen) sind verschiedene Pappelarten (Populus ssp.). Am häufigsten werden verschiedene Hybridpappeln, Aspen oder Silberpappeln angebaut. Andere wichtige Arten für KUP sind Weiden (Salix spp.) oder Robinie (Robinia pseudoacacia). Die Bewirtschaftung von KUP erfolgt in mehreren Rotationszyklen, die einem Grundprinzip folgen: Bei der ersten Rotation wird die Plantage mit Stecklingen oder Setzstangen (Hybridpappeln, Weiden) oder mit Setzlingen (Aspen, Robinie) angelegt. Nach einigen Jahren des Wachstums, aber nicht länger als 20 Jahre (abhängig von den länderspezifischen Rechtsvorschriften innerhalb der EU), kann die KUP geerntet werden. Die zweite Rotation ist durch erneuten Stockausschlag und ein beschleunigtes Wachstum gekennzeichnet, da das Wurzelsystem bereits etabliert ist. Üblich ist eine maximale Rotationszahl von 3 bis 5, da die Stöcke allmählich ihre Kraft verlieren. Die KUP in Europa werden dem Landwirtschaftssektor helfen, seine Kulturpflanzen zu diversifizieren und mittels neuen Beschäftigungsmöglichkeiten positive soziale Auswirkungen auf den ländlichen Raum zu erzielen.

Kurzumtriebsplantagen sind zusätzliche Holzressourcen außerhalb der Wälder und verringern so deren Nutzungsdruck. KUP sind damit eine gute Antwort auf die prognostizierte Holzversorgungslücke und auf die steigende Nachfrage nach Biomasse zur Schaffung einer bio-basierten Gesellschaft in Europa. Nachhaltig betrieben, bieten KUP die Möglichkeit für den Aufbau von Wertschöpfungsketten mit höchster Energieeffizienz, da die schnellwachsenden Baumarten jahrelang keinen maschinellen Aufwand (z.B. Pflanzung, Pflügen) benötigen und üblicherweise ohne Düngung und ohne eine Behandlung mit Fungiziden oder Insektiziden wachsen. Die hohe Energieeffizienz ermöglicht Betriebsszenarien, bei denen die Plantagen unterm Strich mehr Kohlenstoff binden und somit die CO2-Ziele der EU unterstützen können.

Beachtet werden sollte, dass KUP landwirtschaftliche Kulturen und keine Wälder sind. Daher müssen ökologische Auswirkungen mit anderen nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Stärkekartoffeln oder Raps verglichen werden. Aufgrund der Verlangsamung der landwirtschaftlichen Aktivitäten bzw. Reduktion der Bewirtschaftungsintensität können KUP die Habitatqualität von landwirtschaftlichen Flächen für verschiedene Tierarten verbessern. Das gilt z.B. für Säugetiere, Bodenlebewesen und Brutvögel, die an Waldbedingungen angepasst sind, da KUP nicht jährlich bewirtschaftet werden und ein eigenes Bestandesinnenklima ausbilden. KUP sind zudem wesentlich weniger gedüngt oder mit Pestiziden behandelt. Dadurch können sich pflanzlicher Unterwuchs, Randstrukturen und Lücken bilden, die eine höhere Biodiversität bieten.